Schwimmen mit Delfinen: Harmloser Spaß oder Tierquälerei?

Swimming with Dolphins, Florida-Style. Fun für alle, oder schlicht und einfach Tierquälerei? Eines vorweg: Ich bin nicht zu den Delfinen ins Wasser gestiegen, hätte es aber getan, wäre die Zeit dazu vorhanden gewesen.

Ich habe meinen Besuch im Dolphin Research Center in Marathon in den Florida Keys aber auch so genossen. Und ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass die Delfine hier nicht artgerecht untergebracht sind ..

Ole Delfin

 

Von allen Delfin-Veranstaltern in Florida gefällt mir dieser am besten. Die rund 20 Delfine sind nicht in Pools untergebracht, sondern schwimmen in weitläufigen, zum Meer hin offenen Lagunen, die der erste Besitzer vor über 50 Jahren erweitert hat und die voneinander durch Netze getrennt sind. Besuchertribünen gibt es sich, stattdessen spaziert man auf schmalen Stegen an den Lagunen vorbei und verfolgt die Darbietungen von dort aus. Bei diesen handelt es sich nicht um perfekt durchchoreografierte Shows. Was gezeigt wird, versicherten mir die Trainer, hängt ganz von den Tieren ab. Und es gebe durchaus Tage, an denen die Delfinen keine Lust auf Saltos hätten. Zufrieden seien die Besucher trotzdem: Angeblich ist die Nähe zu den Delfinen das, was die meisten suchen.

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Während meines Besuchs gab es jedoch Saltos, Rückenschwimmen und vieles anderes. Manche Tricks klappten, andere nicht so, immer wurden die Delfine mit Fischhäppchen belohnt. Beide Seiten, Befürworter wie Kritiker, würden nun etliche Gründe für und gegen die Shows im Dolphin Research Center finden. Ein Hauptargument der Kritiker kann ich hier und sofort entkräften. Die Sterblichkeit gefangener Delfine, sagen sie, sei in den Delfinarien unnatürlich hoch. Im Dolphin Research Center gibt es jedoch 30-, 40- und sogar einen über 50-jährigen Delfin. Hier eine Pro-und-Contra-Liste, die ich dem Lonely Planet „Miami & the Keys“ entnehme.

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Gründe für das Schwimmen mit Delfinen

1. Das Dolphin Research Center – und die anderen drei in den Florida Keys – ist nicht nur ein kommerzielles Unternehmen, sondern auch eine angesehene Forschungseinrichtung.

2. Die Delfine wurden rechtmäßig erworben oder stammen aus eigener Züchtung. Keines der Tiere wurde draußen im Meer gefangen.

3. Die Delfine sind Menschen gewohnt und keine Gefahr für Schwimmer.

4. Schwimmen mit Delfinen fördert unser Wissen über diese Tiere und Maßnahmen zu ihrem Schutz.

5. In manchen Delfin-Zentren in Florida könnten die Delfine ins offene Meer schwimmen, doch sie tun es nicht.

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Gründe gegen das Schwimmen mit Delfinen

1. Delfine sind soziale Kreaturen und verlangen nach einem hohen Maß an Interaktion, was in Gefangenschaft nicht gewährleistet ist.

2. Schwimmen-mit-Delfinen-Programme fördern den Fang von Delfinen in anderen Teilen der Welt.

3. Besucher erleben Delfine als menschlich anmutende Freunde, nicht als wilde Tiere.

4. Delfin-Verhalten ist nie hundertprozentig vorhersagbar. Delfine können Menschen ernstlich verletzen, selbst wenn sie spielen.

5. Delfine leben nie gern in Gefangenschaft. Jene Tier, die bleiben owohl sie fortschwimmen könnten, tun dies, weil sie bei der Futterquelle bleiben.

Die Wahrheit liegt wohl auch hier irgendwo dazwischen. Auf beiden Seiten gibt es unversöhnliche Eiferer, deren Beiträge der Diskussion mehr schaden als nutzen. Ich persönlich finde, das es zu einfach ist, alle Delfinshow-Veranstalter über einen Kamm zu scheren. Was meint Ihr? Schreibt mir Eure Meinung!

 

Weitere Infos online unter:

Dolphin Research Center: www.dolphins.org

Florida Keys: www.fla-keys.com

 

 

 

 

Autor: Ole Helmhausen

Ole Helmhausen ist freiberuflicher Reisejournalist, Autor, Fotograf, Blogger und VJ und bereist seit 20 Jahren im Auftrag deutschsprachiger Zeitungen, Magazine und Verlage die USA und Kanada. Er lebt in Montréal (Kanada). Sie finden ihn auch auf: Facebook, Google+ und Twitter.

6 Kommentare

  1. Lieber Ole,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Wir waren sowohl vom Dolphin Research Center als auch vom unmittelbar benachbarten Turtle Hospital sehr angetan (http://www.niedblog.de/2013/07/23/florida-keys-turtle-hospital-dolphin-research-center/), denn wir haben das Umfeld insgesamt als sehr professionell und vor allem natürlich im bestmöglichen Ausmaß empfunden. Wichtig finde ich vor allem, dass die Delfine nicht durch einen glasklaren Swimmingpool schwimmen, sondern in ihrem nahezu natürlichen Habitat unterwegs sind und dementsprechend Rückzugsmöglichkeiten haben. Zudem wird, davon konnten wir uns überzeugen, ganz ernsthafte wissenschaftliche Arbeit geleistet und mit innovativen Ansätzen mehr über diese wunderbaren Tiere in Erfahrung gebracht. Klar, es gibt Interaktion mit Tagesbesuchern, aber auch diese ist weit weniger „gezwungen“ wie in den großen Swimmingpool-Pendants anderer Einrichtungen. Man darf in Frage stellen, ob es für den Delfin wirklich das Beste ist, mit einem Pinsel bewaffnet Touristen-Shirts zu beschmieren oder ob auch dieses Verhalten durch die Futter-Portionierung erzwungen wurde. Letztlich müssen wir uns bei diesen Fragen aber auch alle an die eigene Nase fassen, denn solange selbstlose Spenden nicht ausreichen, muss man einen Mittelweg finden, um den hohen finanziellen Bedarf einer solchen Einrichtung zu decken.

    Viele Grüße
    Alex

  2. Danke für diesen schönen Bericht, Ole!
    Ich denke, dass man bei diesem Thema (wie bei so vielen) nicht pauschalisieren sollte. Es gibt sicher mehr Center wie dieses, die das Tier als solches respektieren und nicht zum Showclown degradieren. So lange die Tiere nicht in kleinen Becken dahinvegetieren müssen, sondern naturnah mit ausreichend Platz gehalten werden, finde ich das ganz in Ordnung. Reine „Aquarienhaltung“ in Zoos oder Vergnügungsparks lehne ich dagegen kategorisch ab, das ist in meinen Augen Tierquälerei.

  3. „Besuchertribünen gibt es sich“ Da hat sich wohl der Fehlerteufel eingeschlichen?! 😉

    Ich stehe dem auch mit gemischten Gefühlen gegenüber! ich würde sehr gerne mal mit Delphinen schwimmen, aber wäre ich bereit dazu, deren Gefangenschaft dafür in Preis zu nehmen und zu unterstützen?! Ich würde mir die Anlage ganz genau anschauen, ebenso natürlich die Tiere selbst. Und wenn ich dann ein gutes Gefühl hätte, dass sich die Tiere wohlfühlen, dann würde ich schon gerne einmal dieses Erlebnis genießen!

    Natürlich sind Delphine erstmal wilde Tiere! Aber das waren Hunde, Katzen, Pferde, Kühe, Hühner usw. auch alles mal. Sie wurden domestiziert. Teilweise über Hunderte und Tausende von Jahren. Wenn die Römer schon damals Delphine abgerichtet und gezüchtet hätten, dann würde sich da vielleicht heutzutage niemand drüber aufregen.

    Ich denke, es kommt sehr stark auch auf die Haltung der Tiere an sich an! Wenn ich an die Betonbecken der Vergangenheit denke, dann dreht sich mir auch der Magen um! Heutzutage mit den von Dir ja auch beschriebenen Lagunen sieht das ja schon anders aus.

    Bei den Punkten, die gegen ein Schwimmen mit Delphinen sprechen, kann man sicherlich einiges Ausräumen:

    „Besucher erleben Delfine als menschlich anmutende Freunde, nicht als wilde Tiere.“
    Die Tiere sind an den Menschen gewöhnt, in wiefern sie dann noch als „wilde“ Tiere gelten mögen, ist fraglich. Da verhält es sich wohl wie oben schon beschrieben ähnlich wie bei Hunden und Co.

    „Delfin-Verhalten ist nie hundertprozentig vorhersagbar. Delfine können Menschen ernstlich verletzen, selbst wenn sie spielen.“
    Auch beim Reiten kann man stürzen und querschnittsgelähmt bleiben. Auch Hunde und Katzen können zubeißen! Ich habe keine Zahlen zur Hand, aber ich denke, nicht nur die einfache Anzahl (was klar ist bei weit mehr Pferden und Hunden als Delphinen), sondern auch die prozentuale Quote würde zeigen, dass das Schwimmen mit Delphinen weit aus harmloser ist als das Reiten von Pferden oder das Halten von Hunden!

    „Delfine leben nie gern in Gefangenschaft. Jene Tier, die bleiben owohl sie fortschwimmen könnten, tun dies, weil sie bei der Futterquelle bleiben.“
    Ja nun, es heißt doch immer, dass Delphine so intelligent sind! Eben, die sind doch nicht blöde! Worum geht es denen im Leben (so wie letztendlich allen Tieren) vorrangig? Ums Fressen und Fortpflanzen, damit die Art erhalten bleibt! Wer kann es also einem Delphin verübeln, wenn er dort bleibt, wo er sein regelmäßiges Fressen erhält?! Wer würde denn auf die Idee kommen, in Frankreich oder Spanien die Störche aufzuscheuchen, weil sie nicht mehr alle nach Afrika weiterfliegen? Sie finden auf Müllkippen genügend zu fressen und aufgrund der milderen Winter sehen sie keine Notwendigkeit mehr, den gefahrvollen Flug über’s Mittelmeer und die Sahara zu wagen.

    Ich denke, nur derjenige, der vegan lebt, hat das Recht, sich über’s Delphinschwimmen ernsthaft zu beschweren! Alle anderen sollen natürlich auch ein offenes Auge für eventuelle Mißstände haben und diese dann auch gegebenenfalls ansprechen. Aber ansonsten lieber reumütig ihren Kopf senken und über den Burger vor ihnen auf dem Tisch nachdenken.

  4. Ich bin gar kein Freund von Zoos und Aquarien, auch dann, wenn sie sich Mühe geben, dass es den Tieren nicht ganz, ganz schlecht geht sondern nur ein bisschen schlecht.
    Ziemlich schlimm finde ich, dass man doch dann immer wieder Artikel lesen muss, in denen beschrieben wird, dass es „ja total viel Spaß macht“, mit diesen „süüßen Tieren“ schwimmen zu gehen, und völlig außer acht gelassen wird, dass dort wilde Tiere zu unserer Belustigung eingesperrt werden.
    Deshalb freue ich mich gerade darüber, diesen vernünftig recherchierten Artikel hier zu finden, der beide Sichweisen beleuchtet – sehr schön!

  5. Sorry, ich sehe den Bericht gar nicht so ausgewogen, Herr Helmhausen, obwohl man Ausgewogenheit von einem Journalisten erwarten dürfte. Bei einer Veröffentlichung im Internet sollte man gut recherchieren. Im Dolphin Resear Center sind rund 75 Delphine umgekommen (Quelle: http://www.ceta-base.com/phinventory/deceasedphins/deadphins_drc.html), egal wiel lange einige wenige Delphine noch leben . Es geht auch nicht nur um die evtl. Langlebigkeit einiger weniger Delphine, sondern darum, dass sie ihr Leben in Gefangenschaft verbringen müssen – da haben sie keine Wal bei der Qual.

    Der Delphin Molly wurde 17mal (!!!) transferiert (Quelle: http://www.ceta-base.com/phinventory/ph_drc.html). Eine zum Meer offene Lagune sei vorhanden, wie Sie schreiben?: „…Die rund 20 Delfine…schwimmen in weitläufigen, zum Meer hin offenen Lagunen“…? Nein, die Bereiche sind mit Netzen abgesperrt. Und selbst, wenn es andere Delphinarien mit offenem (!) Meerzugang in Florida geben sollte (ich kenne keins), dann kommen die Delphine immer wieder, weil sie ihr natürliches Jagdverhalten verlernt haben, die Babys sowieso, damit sie nicht verhungern. Die Delphine müssen Shows mitmachen und das wird dann als Bewegungstraining verkauft.

    Von „angesehener Forschungseinrichtung“ zu sprechen, halte ich für sehr gewagt. Gefangenschaft für Zwecke der Forschung ist meist ein vorgeschobenes Argument für die kommerzielle Verwendung. „Keines der Tiere wurde draußen im Meer gefangen“ – auch das ist nicht richtig! Vielleicht trifft das auf die wenigen Überlebenden zu.

    Ein Delphin bleibt übrigens auch ein Wildtier, selbst wenn es in Gefangenschaft geboren wurde (s.a. Löwen). Delphine wurden in Europa bisher nicht in 3. Generation gezüchtet, deshalb kann mann auch nicht von Nachhaltigkeit bei einer Zucht sprechen. Delphine kann man nicht wirklich nachzüchten.

    Sie schreiben: „Delfine sind soziale Kreaturen und verlangen nach einem hohen Maß an Interaktion, was in Gefangenschaft nicht gewährleistet ist.“ Das kann doch nicht ihr Ernst sein? In Gefangenschaft haben die Delphine mehr „Interaktion“ als Sie denken. Ja, sie treten in meist großen Sozialverbänden auf und jagen gemeinsam. Jungtiere verbleiben bis zum adulten Alter bei ihrer Familie und suchen sich dann Partner in anderen Gruppen, um Inzucht zu vermeiden. Interaktion bzw. Bewegung haben sie in Freiheit ungleich mehr, als in jeder Gefangenschaft. In Deutschland hat die internationale Wal- und Delphinschutzorganisation-Organisation WDCS festgestellt, dass die gefangenen Delphine im Zoo fortlaufend mit Valium behandelt werden, ganz offensichtlich um ihren Freiheitsdrang und Rangkämpfe zu sedieren.

    Das Schwimmen mit Delphinen fördert nicht ihren Schutz, wie Sie behaupten, sondern die Geldeinnahmequelle des Betreibers. Sie wollen nicht alle „Delphin-Show-Betreiber über einen Kamm scheren“? Ich kenne keinen, der es nicht aus Geldgründen macht. Selbst gefangene Delphine für Forschungszwecke werden nach kurzer Zeit wieder frei gelassen – das könnte man ja noch akzeptieren, aber doch noch die lebensjange Qual in Gefangenschaft. Die Delphine (nicht nur in Florida) schlagen oft mit ihrer Schwanzflosse auf das Wasser. Das machen sie, um mit anderen Delphinen in Freiheit Kontakt aufzunehmen.

    Es handelt sich um hochgradig intelligente Meeressäuger, die immer wieder von selbstsüchtigen Menschen für kommerzielle Zwecke missbracht werden.

    Ich halte Ihnen zugute, Herr Helmhausen, dass Sie sich nicht wirklich intensiv mit der Delphinforschung befasst haben, denn sonst würden sie nicht solche Sachen schreiben. Sie hatten offenbar ein Reiserlebnis – das war’s. Wenn Sie als Privatperson geschrieben hätten, könnte ich ja ihre Aussagen noch verstehen. Aber als „Reisejournalist“ sollte man sich doch gut überlegen, ob man mit solch einem unfundierten Beitrag sich nicht selbst und anderen schadet, zumal etliche Falschinformationen enthalten sind und Sie dadurch möglicherweise andere ermutigen, sich an diesen kommerziellen Delphin-Shows durch ihren entgeltlichen Eintritt zu beteiligen.

    Aber wir alle dürfen ja jeden Tag schlauer werden.

    Herzliche Grüße
    Dietmar B.

  6. Vielen Dank für Ihren Beitrag, der sowohl positive als auch negative Elemente der Delfinhaltung enthält. Die von Ihnen besuchte Einrichtung kenne ich nicht, habe aber einiges darüber in einer Sendung der ARD erfahren.

    “W wie Wissen” berichtete in der Sendung am 31. Januar 2010 über die Lagune, in der mit den äußerst verspielten Delfinen wissenschaftliche Versuche durchgeführt werden. Die gezeigten Tests bezogen sich auf das Erfassen von unterschiedlichen Mengen und auf das Entdecken von versteckten Gegenständen. Bei beiden Testreihen zeigten die Großen Tümmler erstaunliche kognitive Leistungen, aber auch Grenzen ihrer Intelligenz.

    Zitat aus der Fernsehsendung: „Was heute Forschungsinstitut ist, hat mit Delfinfang begonnen. Der Fischer Milton Santini betrieb in Südflorida in den 50er- und 60er-Jahren einen schwunghaften Handel mit Delfinen. Die nahe gelegenen Aquarien zahlten 100 Dollar für einen Delfin, viel mehr als Santini beim Fischen verdiente. Die gefangenen Delfine wurden in einer mit Netzen abgetrennten Lagune zwischengelagert, dem heutigen Dolphin Research Center. Damals wusste man noch nichts über die Tiere. Die Delfine starben wie die Fliegen und die Aquarien brauchten ständig Nachschub. Santini war auch derjenige, der die Spielbegeisterung und Lernfähigkeit der Delfine entdeckte, und so war es kein Wunder, dass bald Hollywood auf die schlauen Tiere aufmerksam wurde. Seine Delfine waren es, die in den 60er-Jahren Flipper in Spielfilmen und TV-Serie darstellten.” (Zitat aus “W wie Wissen”)

    Doch in der Delfin-Lagune im Süden Floridas hat sich vieles geändert. Seit den 70er-Jahren dient sie als Forschungszentrum. Kein einziger Delfin, der hier für die Intelligenzforschung seine Fähigkeiten unter Beweis stellt, wurde für diesen Zweck gejagt und gefangen. Alle 20 Tiere sind entweder Nachkommen der Flipper-Darstellerinnen oder stammen aus schlechten Haltungen anderer Delfinarien.

    Mehr über diese Einrichtung unter http://www.meeresakrobaten.de/2010/02/wo-einst-flipper-trainiert-wurde-tummeln-sich-heute-seine-nachkommen/

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