Der mit den Hunden singt

Unterwegs in Kanada und den USA begegne ich immer wieder Menschen, die einen tiefen Eindruck  bei mir hinterlassen. Einer dieser Menschen ist Frank Turner.

Frank, heute 66 Jahre alt, hat als Musher mehrere Male den berühmten Yukon Quest gewonnen. Heute lebt er etwas außerhalb von Whitehorse (Yukon), wo er den Veranstalter Muktuk Adventures für Hundeschlittentouren und ein kleines B&B mitsamt Blockhütten betreibt – und Alaska-Husky-Mischlinge  züchtet. Über 140 der für ihre Ausdauer berühmten Renner erwarten einen, wenn man bei Frank vorfährt. Sie residieren in grünen Holzhütten mit ihren Namen darauf. Frank hält sie an der langen Leine: Jeder und kann seinen unmittelbaren Nachbarn besuchen, Beißereien kommen nicht vor. “Hunde sind wie wir”, sagt er und lächelt. “Nur wenn sie happy und zufrieden sind, geben sie uns ihr Bestes.”

Ernährt werden die schwarz-weiss-grauen Hunde deshalb nur mit Futter vom Feinsten. Routine wird ebenfalls großgeschrieben: Die Hunde erleben keine Überraschungen und fühlen sich deshalb sicher in ihrer Umgebung. Von körperlichen Züchtigungsmethoden hält der alte Musher nichts. “Wenn Du Deine Hunde gut behandelst, reichen der Klang Deiner Stimme und ein paar Hundeplätzchen. Dann tun sie alles für Dich.“

Dass Frank für seinen liebevollen Umgang mit Hunden mit einem Preis für Veterinäre ausgezeichnet wurde, erwähnt er erst später, in einem Nebensatz. Frank ist, wie man in Nordamerika sagt, “what you see is what you get”: wunderbar unprätentiös, eine ehrliche Haut, zutiefst menschlich. Und wohl auch deshalb lässt sich jeder seiner 100+ Hunde, deren Verwandtschaft zum Wolf unübersehbar ist, beim Rundgang durch den weitläufigen Zwinger genussvoll kraulen.

Diese vier kurzen Videos zu bearbeiten, war für mich ein Genuss. Selten habe ich einen so aufrichtigen, klaren und liebevollen Menschen getroffen (Danke, Holger Bergold, für diesen Tipp!). In den Clips erzählt Frank ein wenig von seiner Hunde-Philosophie. Er bringt seine Tiere für uns zum Singen und teilt mit uns die bewegende Geschichte von Shilo – zum Zeitpunkt meines Besuches war die krebskranke Hündin vom Arzt bereits aufgegeben, lief jedoch noch immer munter umher. Und im letzten Clip erzählt Frank, wie ihm seine Hunde während eines dramatischen Yukon Quest am Eagle Summit, einem extrem steilen Berg, den Unterschied zwischen Zweifeln und Glauben beibrachten. Viel Vergnügen!

Weitere Infos online unter:

Autor: Ole Helmhausen

Ole Helmhausen ist freiberuflicher Reisejournalist, Autor, Fotograf, Blogger und VJ und bereist seit 20 Jahren im Auftrag deutschsprachiger Zeitungen, Magazine und Verlage die USA und Kanada. Er lebt in Montréal (Kanada). Sie finden ihn auch auf: Facebook, Google+ und Twitter.

7 Kommentare

  1. Na siehste, klappt doch alles. 🙂 Aber eigentlich gibt es nur einen wahren Frank Turner und der macht hauptberuflich Musik. 😉 Er weist uns den Weg, ihm wollen wir folgen.

    LG
    Sven

  2. Der Bericht weckt Erinnerungen an meine Yukonreise im Jahr 2011. Auch eher zufällig bin ich bei Frank gelandet – ein wirklich faszinierender Mann. Trotz meinem schlechten Englisch hat er sich persönlich viel Zeit für mich genommen. In der letzten Nacht im Kennel hatte ich noch das Glück, Nordlichter live erleben zu dürfen. Das hat den ganzen Besuch so richtig toll abgerundet und die Faszination von Frank und seinen Hunden gehen mir nie mehr aus den Sinnen. Danke für diesen Bericht – einzig im Einstieg scheint mir, ist ein Infofehler unterlaufen – Frank hat den Yukon-Quest nur einmal als Sieger beendet – er ist jedoch unbestrittener Rekordhalter an Teilnahmen – und wenn man sieht, welche Strapazen diese Frauen und Männer auf den 1000 Meilen auf sich nehmen, ist jeder ein Sieger, der das Ziel mit seinen Hunden erreicht – ob er als erster oder als letzter die Ziellinie hinter sich bringt – ich habe allergrössten Respekt vor diesen Leistungen. Und dass Frank das Wohl der Hunde immer in den Mittelpunkt stellt, spürt man einfach. Grüsse aus der Schweiz Tom

    • Lieber Thomas.

      vielen Dank für Deine netten Zeilen. Frank, plus Hunde, plus Nordlichter – klassischer geht der Yukon nicht, meinen Glückwunsch! Was die Yukon-Quest-Siege von Frank angeht, schaue ich nochmal nach .. die besten Grüße in die Schweiz, Dein Ole

  3. Hallo Ole, habe bezüglich der Platzierung von Frank einmal nachgeschaut. Er hat 1995 in 10 Tagen
    16 Stunden und 20 Minuten den Quest gewonnen. Diese Zeit hielt bis Lance Mackey diese 2006
    in 10 Tagen 7 Stunden und 47 Minuten unterbot.
    Muß mich zu meinem letzten Kommentar berichtigen. Es war nicht Shilo (den haben wir 2011 gesehen)
    sondern Shimo mit dem ich meine Frau fotografiert habe.
    Gerne denken wir an diese schönen Momente zurück.
    Gruß Karli

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